Gewinn Cheatsheet

Der Gewinn gibt Aufschluss über die Profitabilität eines Unternehmens. Da an der Börse die Zukunft gehandelt wird, sollten Investoren darauf achten, wie sich der Gewinn im Zeitverlauf entwickelt.

Eine der größten Herausforderungen im Umgang mit dem Gewinn ist, dass dieser nicht klar definiert ist. Selbst Unternehmen verwenden teilweise Begriffe synonym, die eigentlich etwas anderes meinen. Anleger sollten daher darauf achten, mit welchem Gewinn-Begriff sie sich gerade befassen.

Oft ist der Jahresüberschuss gemeint, wenn von Gewinn die Rede ist. Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem Bilanzgewinn und anderen Erfolgsgrößen wie z.B. dem EBIT oder EBITDA. Dieses Cheat Sheet erklärt entsprechend vorrangig den Jahresüberschuss. Eine Abgrenzung zu weiteren Begriffen findet sich unten.

Der Jahresüberschuss als wichtigste Erfolgsgröße

Der Jahresüberschuss gibt den Unternehmenserfolg einer Periode an. Von ihm wurden bereits Aufwände wie z.B. Steuern abgezogen, sodass er die Gewinngröße darstellt, über dessen Verwendung Aktionäre bestimmen dürfen.

Sind die Erträge eines Unternehmens größer als dessen Aufwendungen, ist der Jahresüberschuss positiv. Wenn der Jahresüberschuss dagegen negativ ist, wird dieser auch als Jahresfehlbetrag bezeichnet.

Berechnung des Jahresüberschuss

Der Jahresüberschuss wird über die Gewinn- und Verlustrechnung bestimmt. Damit kann man ihn jedem Geschäfts- bzw. Quartalsbericht entnehmen.

Das amerikanische Pendant zur Gewinn- und Verlustrechnung ist das Income Statement. Hier wird der Jahresüberschuss als Net Income aufgeführt.

Interpretation

Der Jahresüberschuss dient als Grundlage für viele weitere Kennzahlen, wie z.B. dem Kurs-Gewinn-Verhältnis. Besonders interessant ist auch der Vergleich des Jahresüberschuss zum eingesetzten Kapital.

Der Jahresüberschuss sollte vor allem im Zeitverlauf betrachtet werden. Das Gewinnwachstum ist besonders bei Growth-Unternehmen von hoher Bedeutung. Der Vergleich mit anderen Unternehmen ist dagegen nur eingeschränkt sinnvoll, weil oft keine Vergleichbarkeit gegeben ist (siehe Kritik).

Gewinnsicherheit

Gewinne können von Periode zu Periode teilweise stark schwanken,

Das liegt daran, dass bei vielen Unternehmen Klumpenrisiken bestehen und somit einzelne Faktoren den Gewinn stark beeinflussen können. Normalerweise achtet man besonders darauf, mit welchen Produkten, in welchen Regionen oder auch mit welchen Kunden das Unternehmen seinen Gewinn erzielt.

Um so differenzierter der Gewinn eines Unternehmens ist, um so besser. Das liegt daran, dass ein eventueller Ausfall oder eine starke Veränderung in einem Bereich besser zu kompensieren ist.

Allerdings können Klumpenrisiken sich auch positiv auswirken und damit Klumpenchancen sein. Hat man sich zum Beispiel auf ein Produkt fokussiert, welches einen Hype erlebt, kann der Gewinn innerhalb von kürzester Zeit stark ansteigen.

Kritik

Der Jahresüberschuss eines Unternehmens lässt sich nur schwer mit dem eines anderen Unternehmens vergleichen. Dies ist auf unterschiedliche Steuern und Rechnungslegungsvorschriften zurückzuführen.

Während es in Deutschland bereits nationale Unterschiede beim Steueraufwand gibt, wird spätestens im internationalen Vergleich klar, dass sich die Unternehmenssteuern zum Teil erheblich unterscheiden. Über Ländergrenzen hinweg können zudem die Rechnungslegungsvorschriften variieren.

Damit werden zwei Unternehmen, die - theoretisch - operativ genau die gleiche Leistung erbringen, höchstwahrscheinlich einen unterschiedlichen Jahresüberschuss ausweisen.

Investoren die das operative Geschäft eines Unternehmens bewerten möchten, schauen sich aus diesem Grund zusätzlich weitere Erfolgsgrößen, wie das EBIT und das EBITDA an. Diese bereinigen den Jahresüberschuss um Steuern und Zinsen (EBIT) sowie zusätzlich um Abschreibungen (EBITDA).

Ein weiterer Kritikpunkt am Jahresüberschuss ist, dass dieser sich theoretisch durch bilanzpolitische Maßnahmen in der Höhe beeinflussen lässt. Die Möglichkeit zur Beeinflussung ist dabei allerdings deutlich geringer als beim Bilanzgewinn.

Unterschied zum Bilanzgewinn

Der Jahresüberschuss darf nicht mit dem Bilanzgewinn verwechselt werden. Letzterer ist eine Position in der Bilanz.

Bilanzgewinn und Jahresüberschuss können sich theoretisch gleichen. Allerdings ist der Bilanzgewinn deutlich leichter manipulierbar.

Der Bilanzgewinn kann sowohl mit Gewinn- bzw. Verlustvortrag als auch mit Entnahmen aus den Gewinnrücklagen verrechnet werden. Theoretisch kann ein Unternehmend damit einen positiven Bilanzgewinn ausweisen, obwohl der Jahresüberschuss eigentlich negativ war.

Aus diesem Grund ist der Bilanzgewinn mit Vorsicht zu genießen.

Hinweis: Die obigen Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Da Cheatsheets aber ein Thema nur verkürzt wiedergeben können und auch wir Fehler machen können, solltest du dich darüber hinaus immer zusätzlich selbstständig informieren. Falls du der Meinung bist, dass der obigen Text inhaltliche Fehler enthält, kannst du uns das hier mitteilen.

Bereit für deine eigene Aktienanalyse?

BullHub unterstützt dich dabei.

  • Die leichteste Art Aktien online zu analysieren

  • Learning-by-Doing: Erweitere dein Wissen

  • Zahlreiche Analysekriterien verständlich erklärt

  • Das Tool für deine Online-Aktienanalyse