Aktualisiert am

18. Mai 2022

EBITDA Cheatsheet

💡 TL;DR

Das EBITDA ist eine Erfolgskennzahl, die den Gewinn vor Zins- und Steueraufwendungen sowie Abschreibungen angibt. Das EBITDA ist besonders gut zum Vergleich von Unternehmen geeignet.

Das EBITDA ist eine Abwandlung des Jahresüberschuss. Weil es bestimmte Faktoren heraus rechnet, ist es besonders gut zur Beurteilung des operativen Geschäfts sowie zum Vergleich mit anderen Unternehmen geeignet.

Die Faktoren, um die das EBITDA den Jahresüberschuss bereinigt, sind im Namen enthalten. EBITDA steht für „Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation, and Amortization“ oder auf Deutsch "Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen".

Was ist das EBITDA und warum ist es wichtig?

Als zentrale Erfolgsgröße gilt in der Regel der Jahresüberschuss. Dessen Höhe wird durch Faktoren beeinflusst, die nichts mit dem operativen Geschäft zutun haben. So werden bei der Berechnung des Jahresüberschuss beispielsweise bereits Steueraufwendungen verrechnet.

Weil damit die die Bewertung des operativen Geschäfts sowie die Vergleichbarkeit mit Wettbewerbern nur schwer möglich ist, berechnen Aktienanalysten zusätzlich weitere Erfolgskennzahlen. Besonders beliebt ist neben dem EBT und dem EBIT auch das EBITDA.

Das EBITDA fügt Zinsen, Steuern und Abschreibungen zum Jahresüberschuss erneut hinzu, nachdem diese bereits bei der Ermittlung des Jahresüberschuss abgezogen wurden.

Zinsen

Unternehmen finanzieren sich in der Regel zu einem bedeutenden Anteil über Finanzverbindlichkeiten (Schulden). Auf diese Verbindlichkeiten fallen Zinsen an, die den Jahresüberschuss schmälern. Das EBITDA rechnet bereits abgezogene Zinsen erneut zum Jahresüberschuss hinzu, da diese meistens nur wenig mit dem operativen Geschäft zutun haben.

Steuern

Die Steuern, die ein Unternehmen zahlen muss, nehmen zwar Einfluss auf das Unternehmen, helfen aber nicht bei der Analyse des Geschäftsmodells weiter. Aus diesem Grund werden Steuern sowohl beim EBITDA als auch beim EBIT ignoriert.

Abschreibungen

Abschreibungen beschreiben die Wertsteigerung oder -verminderungen von Vermögensgegenständen eines Unternehmens.

  • Materielle Vermögenswerte: Bei Abschreibungen von materiellen Vermögenswerten handelt es sich um Wertveränderung von fassbaren Werten wie Immobilien und Maschinen. Dazu zählt außerdem das gesamte Umlaufvermögen, also auch gelagerte Ware.

  • Immaterielle Vermögenswerte: Diese Vermögenswerte beziehen sich auf nicht physisches Vermögen. Immateriell sind Vermögenswerte wie zum Beispiel Rechte, Patente, Software oder der sogenannte Goodwill.

Interpretation des EBITDAs

Das EBITDA eines Unternehmens ist geeignet, um es mit dem EBITDA von Wettbewerbern zu vergleichen. Verglichene Unternehmen sollten in der selben Branche tätig sein. Andernfalls verliert der Vergleich an Aussagekraft.

Darüber hinaus ist das EBITDA eine beliebte Kennzahl, um sie im Zeitverlauf zu betrachten. Da beispielsweise außerplanmäßige Abschreibungen keinen Einfluss auf die höhe des EBITDAs haben, kann die Entwicklung des EBITDAs aufschlussreicher sein als beispielsweise die des EBITS.

Zudem bietet es sich oft an, das EBITDA in Relation zu anderen Kennzahlen zusetzen. So setzt die Operative Marge das EBITDA beispielsweise ins Verhältnis zum Umsatz.

Kritik

Das EBITDA ist nach den bekanntesten Rechnungslegungssystemen nicht fest definiert. Dadurch kann sich die Berechnung von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden.

Zwar kann die Berechnung des EBITDAs durchaus sinnvoll sein, allerdings sollten Anleger auch immer auf den klassischen Jahresüberschuss achten. Investoren sollten sich bewusst sein, dass das EBITDA deutlich höher sein kann als der Jahresüberschuss. Weil letzterer aber in der Regel maßgeblich für die Höhe der Dividende ist, darf dieser nicht aus den Augen verloren werden.

Unternehmen die das EBITDA in ihrem Geschäftsbericht oder den Quartalsergebnissen besonders prominent hervorheben, sollten kritisch überprüft werden. Oftmals wird mit dem Hervorheben des EBITDAs versucht, vom Jahresüberschuss abzulenken. Dieser kann beispielsweise durch hohe Kapitalkosten deutlich niedriger ausfallen.

🤿 Deep Dive

Was ist der Unterschied zwischen EBITDA und EBIT?

Bereits der Name lässt den Unterschied erkennen. Im Gegensatz zum EBIT werden beim EBITDA neben den Zinsen und den Steuern zusätzlich die Abschreibungen exkludiert.

Weil das EBITDA gegenüber dem EBIT damit einen weiteren Faktor erneut zum Jahresüberschuss hinzurechnet, ist dieses üblicherweise auch höher als das EBIT.

Wo steht das EBITDA?

Unternehmen sind nicht dazu verpflichtet das EBITDA anzugeben. Es kann aber durchaus vorkommen, dass Unternehmen das EBITDA freiwillig berechnen und neben verpflichtenden Bestandteilen wie Bilanz und Kapitalflussrechnung in ihrem Quartals- oder Geschäftsbericht angeben.

So oder so: Die Berechnung des EBITDAs ist so leicht, dass man diese auch schnell selber durchführen kann. Ein Vorteil der eigenen Berechnung ist zudem, dass man auch genau weiß, "was drin steckt".